Start der Energiewende in Fellbach


Der Kommunale Wärmeplan (KWP) der Stadt Fellbach ist beschlossen. Das bedeutet: Die Stadtverwaltung verfolgt nun zusammen mit den Stadtwerken die erarbeitete Strategie zur klimaneutralen Wärmeversorgung, zu der acht Startmaßnahmen gehören. Mit diesen acht Maßnahmen soll in den kommenden fünf Jahren begonnen werden. Dafür sprachen sich die Gemeinderäte in ihrer Sitzung am Dienstag, 12.12.2023, einstimmig aus.

Somit gebe es eine klare Marschrichtung, kommentierte Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. „Wir steigen damit in die Wärme-/Energiewende ein.“ Das sei jedoch eine gemeinschaftliche Aufgabe, die sowohl die Stadt also auch gewerbliche Unternehmen und Privatpersonen betreffe. Zugleich stellte sie klar, dass der Fellbacher Wärmeplan, basierend auf der Landesgesetzgebung, auch nach dem Inkrafttreten des Wärmeplanungsgesetzes des Bundes gültig sei. Darüber hinaus gelte der Paragraf des Gebäudeenergiegesetzes, der in Bestandsgebäuden beim Heizungstausch eine Wärmeerzeugung aus mindestens 65 Prozent Erneuerbaren Energien vorschreibt, nicht ab 01.01.2024, sondern erst ab spätestens 01.07.2028 in Fellbach.

Dem jetzt beschlossenen KWP gingen verschiedene Beteiligungsprozesse voraus. Dabei hat die Stadtverwaltung auf den bewussten Austausch mit Fachakteuren, Interessensvertretungen, Bürgern und Ausschussmitgliedern sowie den Planungsbüros und besonders den Fellbacher Stadtwerken gesetzt. Herausgekommen ist ein über 100 Seiten umfassender Bericht. Dieser muss in regelmäßigen Abständen fortgeschrieben werden.

Die KWP umfasst diverse Schritte, die das Vorgehen weitgehend methodisch bestimmen. Angefangen mit einer umfangreichen Datenanalyse zum Wärmebedarf und -verbrauch im Stadtgebiet, gefolgt von einer Potenzialanalyse zu Nutzungsmöglichkeiten regenerativer Energiequellen und der Abwärme. Daraus werden Szenarien und umsetzbare Maßnahmen entwickelt, die Fellbach bis 2040, mit einem Zwischenziel 2030, zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung führt. „Kernpunkte sind der Ausbau und die Stärkung der Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz, Senkung des Wärmebedarfs und natürlich die Bezahlbarkeit“, erklärt Marcel Katzwinkel, der zuständige Projektleiter bei der Stadtverwaltung. Ein zentrales Thema sei die Untersuchung der insgesamt 13 Wärmenetzprüfgebiete, so Soltys. Diese Gebiete umfassen jeweils zwischen 27 und 250 Gebäuden, insgesamt handelt es sich um 1.332 Gebäude.

Im Wärmeplan sind acht Startmaßnahmen benannt, mit denen in den ersten fünf Jahren begonnen werden soll. Dazu zählt die detaillierte Untersuchung der Wärmenetzprüfgebiete auf die Umsetzbarkeit bis zum Zieljahr 2040. Gleichzeitig soll ein Standortkonzept zu Heizzentralen in den Wärmenetzprüfgebieten erstellt werden.  Die tiefergehende Untersuchung der Geothermie-Potenziale sowie die Nutzbarkeit der Flusswärme des Neckars für den Einsatz in Wärmenetzen wird auch in den nächsten Jahren angegangen. Als fünfte Maßnahme steht ein integriertes Quartierskonzept, das im IBA-Gebiet durchgeführt werden soll. Weitere Maßnahmen sind die Erarbeitung einer gesamtstädtischen Solarenergiestrategie für Dach- /Gebäudeflächen, Freiflächen, Parkplätze und andere bereits versiegelte Flächen sowie die Durchführung einer Machbarkeitsstudie zu Windkraft auf dem Kappelberg. Die achte Maßnahme des Pakets sieht vor, dass das bereits existierende städtische Förderprogramm „Energiesparmaßnahmen an Wohngebäuden“ mit Blick auf die Ziele des KWP überarbeitet wird.

„Die Gesetze geben vor, was wir zu machen haben“, sagte Franz Plappert (CDU) gleich zu Beginn der Aussprache. Die Frage sei, wie die Umsetzung aussehe. Nicht zufrieden zeigte er sich darüber, dass das neue Wohngebiet Kühegärten nicht bei den Wärmenetzprüfgebieten berücksichtig werde und beantragte, das zu tun. Ulrich Lenk (FW/FD) betonte, dass die Gebäudesanierung ein großes Thema sei. Es würde sehr viel bringen, wenn mehr saniert werde – etwa bei der Wärmeisolierung. Zudem appellierte er an die Stadt als Vorbild in Sachen Photovoltaik und plädierte dafür, der Technologie Wasserstoff mehr Bedeutung zukommen zu lassen. Auch Simone Lebherz (Die Stadtmacher Fellbach) hob die Thematik des Sanierens hervor. „Wenn wir jetzt sanieren, brauchen wir weniger Wärme.“ Damit verbunden müsse weniger Fläche zur Verfügung gestellt werden, um Wärme zu erzeugen und es bleibe mehr von „unserer Erholungslandschaft“ übrig.

„Der Kommunale Wärmeplan ist ein wichtiger Baustein zum Gelingen der Energiewende“, betonte Andreas Möhlmann (SPD). Da der Wärmeplan auch als Grundlage für Unternehmen und private Eigentümer diene, sei die Verlässlichkeit wichtig. Zudem bekräftigte er, dass mehr Fernwärme erstrebenswert wäre. „Die vorgesehenen Schritt sind realistisch geplant“, lobte Dr. Stephan Illing (Grüne). Gerade in Gewerbegebieten sei einiges an Potenzial zu gewinnen. Viele Betriebe hätten bereits erkannt, dass Ökonomie und Ökologie in Einklang gebracht werden müssten. „Die Dinger rechnen sich doch, wenn man es richtig anstellt.“ Das gelte auch für private Hausbesitzer.

Weitere Informationen:

Den KWP-Endbericht, eine Präsentation samt der Wärmenetzprüfgebiete, Tipps für Gebäudeeigentümer sowie alle weiteren Informationen gibt es auf der städtischen Homepage unter https://www.fellbach.de/Kommunale-Waermeplanung.

Redakteur / Urheber
© Mareike Hoff (Stadt Fellbach)